Die Geschichte des Müllerhauses

Das Haus am Bleicherain in Lenzburg wurde 1785 im Auftrag von Gottlieb Hünerwadel erbaut. Es entstand ein in seinen Dimensionen ungewohntes frühklassizistisches Gebäude. Architekt war Carl Ahasver von Sinner, der auch den Landsitz „Lohn“ im bernischen Kehrsatz erstellt hat. Dieser dient seit langem als Gästehaus und Ort bedeutender protokollarischer Empfänge des Bundesrates. Mit dem Haus in Lenzburg hat er den wohl herrschaftlichsten Bau im Kanton Aargau geschaffen. In den mächtigen Kellergewölben befand sich früher die Ferggerei, in der unverarbeitete Baumwolle bezogen und von Bauern bis in die Innerschweiz und den Schwarzwald zum fertigen Tuch verarbeitet wurde. Im Parterre war das Kontor untergebracht,  in der Beletage wohnten die Herrschaften.


Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der Hünerwadel-Handelsdynastie Ende des 19. Jahrhunderts gelangte das Haus 1903 in den Besitz der Familie Müller und wurde neu zum Doktorhaus. Die Parterre-Räumlichkeiten wurden fortan als Arztpraxis genutzt. 1987 errichteten Dr. Hans Müller (1897 - 1989) und Gertrud Müller (1901 - 2001) eine Stiftung und öffneten das prächtige Haus für die Öffentlichkeit.


Das Müllerhaus ist heute prägender Teil der Stiftung Dr. Hans Müller und Gertrud Müller und wird von der kantonalen Denkmalpflege als „schönstes Aargauer Bürgerhaus“ aus dem 18. Jahrhundert bezeichnet.